Unsere fossilen Energiequellen werden knapper und dadurch zunehmend teurer. Sie sind aufgrund Ihrer CO2-Emissionen bei der Verbrennung mitverantwortlich für die Klimaveränderungen. Regierungen, Organisationen und die Bevölkerung haben erkannt, dass ein Wandel nötig ist. Mit Gesetzen wie der Energieeinsparverordnung in der Bundesrepublik oder dem Gesetz zur Förderung Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz in Baden Württemberg wurden Regeln zur Verringerung des Energieverbrauchs bei Gebäuden und somit zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes geschaffen. Diese Gesetze und Verordnungen stellen jedoch nur Mindestanforderungen auf, die mit den heutigen technischen Möglichkeiten im Neubau und in der Sanierung von Bestandsgebäuden bereits weit übertroffen werden können. Hierfür gibt es zahlreiche Beispiele.

Ziel des hier vorgestellten Projektes ist die langfristige CO2-neutrale Nutzung des 1923 erbauten und in den 60er Jahren erweiterten Schullandheim Luginsland am Schauinsland bei Freiburg. Das in seiner schwarzwaldtypischen Struktur errichtete Gebäude bestehend aus einem massiven Sockelgeschoss, einem ersten Obergeschoss in verschindelter Fachwerkbauweise und dem gewalmten Dach steht mit einer Giebelseite am Hang. Der Baumeister Josef Wehrle hat die nutzungstypischen Strukturen der Schwarzwälder Bauernhäuser für die Schullandheimnutzung adaptiert. Bedingt durch erforderliche Umbauten und Erweiterungen, die im Laufe der letzten 86 Jahre erfolgten ist diese Typologie nur noch eingeschränkt zu erkennen. Die vorhandene Bausubstanz in seiner einmaligen Lage mit Blick ins Münstertal und in die Rheinebene verdient die Erhaltung und eine dem Objekt angemessene grundlegende Sanierung der Haustechnik und Gebäudehülle.
Der Energiebedarf des Schullandheimes soll durch regionale Produkte des Schwarzwaldes gedeckt werden. Die Sanierung der Gebäudehülle wird derzeit unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit geplant. Die besondere Herausforderung bei der Sanierung der Gebäudehülle besteht darin, die hohen energetischen Anforderungen in einer adäquaten, dem Ort und Objekt angemessene, Architektursprache umzusetzen.
Ziel der Gesamtsanierung ist eine CO2-neutrale Nutzung. Dieses Ziel soll durch mehrere Bausteine erreicht werden:

1. Verzicht auf fossile Brennstoffe
Die geplante Anlagentechnik wird auf Basis von Sonnenenergie und nachwachsenden Rohstoffen betrieben. Für die Grundlast ist ein Blockheizkraftwerk auf Pflanzenölbasis vorgesehen. Unterstützt wird die Kraft-Wärme-Kopplungsanlage durch eine Solaranlage. Zur Deckung des Spitzenbedarfs wird ein Stückholzkessel vorgesehen. Der Energiebedarf kann dadurch ausschließlich durch regionale Produkte – Pflanzenöl aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis und Stückholz aus dem Gemeindewald - gedeckt werden. Die Deckung des erforderlichen zusätzlichen Strombedarfs erfolgt durch Strom aus Sonnenenergie, Biomasse und Wasserkraft. Es wird angestrebt, einen entsprechenden Tarif beim Energieversorger zu beauftragen.  Je nach den finanziellen Möglichkeiten des Trägervereins ist auch die Errichtung eines Windrades zur direkten Stromerzeugung denkbar – dieses war schon in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geplant, eine Baugenehmigung erteilt, die aus politischen Gründen nicht umgesetzt werden konnte. Die Lage des Hauses bietet sich für die Energiegewinnung geradezu an.

2. Minimierung der Transmissionswärmeverluste
Die Transmissionswärmeverluste können durch Dämmmaßnahmen an der Gebäudehülle im Mittel um 70% gesenkt werden. Die Dämmmaßnahmen werden im Zuge der detaillierten Planung und der gezielten Vermeidung von Wärmebrücken in weiteren Schritten verfeinert.

3. Optimierung von Lüftung und Beleuchtung
Lüftungsverluste zu minimieren stellen eine besondere Herausforderung bei der Fachwerkbauweise dar. Durch kontrollierte Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung über Kreuz-Gegenstrom-Wärmetauscher in den Sanitärbereichen, sowie den Schlafbereichen wird eine hygienisch einwandfreie Luftqualität sichergestellt und der Energieverbrauch weiter minimiert. Das Vorhaben stellt in diesem Bereich hohe planerische Anforderungen an die Trassenführung und soll beispielhaft belegen, dass auch in Bestandsobjekten aufwändige Lüftungsanlagen möglich sind. Die Beleuchtung wird konsequent auf den Bedarf der jeweiligen Gebäudezonen und eine energieeffiziente Beleuchtung ausgerichtet. Vorgesehene Präsenzmelder und Tageslichtsensoren lassen weitere Einsparpotenziale erwarten.